Schilddrüse und Stoffwechsel: Wenn das kleine Organ den ganzen Körper steuert

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Schilddrüsenhormone wirken wie ein Taktgeber für den ganzen Körper. Ist zu viel Hormon im Blut, läuft der Stoffwechsel auf Turbo. Ist es zu wenig, schaltet der Körper in den Energiesparmodus. Das betrifft nicht nur das Gewicht, sondern auch Blutzucker, Blutfette, Knochen, Nägel, Haare, Gehirn und Psyche.
In diesem Artikel schauen wir uns an, wie die Schilddrüse diese Bereiche beeinflusst – und warum Ärztinnen und Ärzte bei vielen Beschwerden immer auch an die Schilddrüse denken.
Was Schilddrüsenhormone im Körper machen
Die Schilddrüse bildet Hormone, die den gesamten Stoffwechsel steuern. Man kann sich das so vorstellen:
- Bei Schilddrüsenüberfunktion (Hyperthyreose) ist zu viel Hormon im Blut. Der Stoffwechsel läuft übertourig: Der Körper verbraucht mehr Energie, Prozesse laufen schneller ab.
- Bei Schilddrüsenunterfunktion (Hypothyreose) ist es umgekehrt. Es fehlen Hormone, der Stoffwechsel läuft langsamer. Der Energieverbrauch sinkt, viele Vorgänge werden gebremst.
Welche Folgen das hat, zeigt sich in verschiedenen Stoffwechsel‑Bereichen.
Kohlenhydratstoffwechsel: Blutzucker unter Strom oder im Keller
Überfunktion: Blutzucker steigt, Diabetes kann sich verschlechtern
Bei einer Schilddrüsenüberfunktion nimmt der Darm mehr Glukose (Zucker) auf. Gleichzeitig gibt die Leber mehr Zucker ins Blut ab. Die Folge:
- Der Blutzuckerspiegel steigt.
- Die Bauchspeicheldrüse schüttet mehr Insulin aus.
- Die Körperzellen sprechen schlechter auf Insulin an (Insulinresistenz).
Wer bereits Diabetes hat, kann so schlechter einstellbare Zuckerwerte bekommen. Bei Menschen mit Veranlagung kann ein Diabetes überhaupt erst sichtbar werden.
Unterfunktion: Weniger Aufnahme, mehr Risiko für Unterzucker
Bei einer Schilddrüsenunterfunktion ist die Aufnahme von Glukose in Darm und Organe vermindert. Gleichzeitig besteht oft eine Insulinresistenz und der Appetit ist reduziert. Das kann dazu führen, dass:
- Insulinspiegel relativ hoch,
- der Blutzucker aber zu niedrig ist.
Gerade bei Menschen, die wegen Diabetes Medikamente bekommen, steigt damit das Risiko für Unterzuckerungen (Hypoglykämien).

Fettstoffwechsel und Kalorienverbrauch: Cholesterin und Gewicht
Schilddrüsenhormone beeinflussen, wie der Körper mit Fetten umgeht.
Überfunktion: Mehr Fettabbau, Cholesterin sinkt, Gewicht geht runter
Bei Hyperthyreose wird mehr Speicherfett abgebaut, die Fettmobilisierung steigt. Typische Folgen:
- Der Energieverbrauch ist erhöht.
- Viele Betroffene nehmen ab, obwohl sie normal oder sogar mehr essen.
- Die Cholesterinwerte im Blut sinken.
Wegen dieses Effekts werden Schilddrüsenhormone in illegalen „Abnehmpillen“ missbraucht. Fachleute warnen jedoch klar davor: Eine absichtlich herbeigeführte Überfunktion kann Herz, Kreislauf und Nervensystem ernsthaft schädigen.
Unterfunktion: Stoffwechsel gebremst, Cholesterin steigt
Bei Hypothyreose passiert das Gegenteil:
- Der Körper verbraucht weniger Kalorien.
- Viele Betroffene sind antriebsgemindert und bewegen sich weniger.
- Häufig kommt es zu einer ungewollten Gewichtszunahme.
- Die Cholesterinwerte steigen, vor allem das LDL‑Cholesterin.
Damit erhöht sich das Risiko für Gefäßverkalkung und Herz‑Kreislauf‑Erkrankungen.
Knochen, Nägel, Haare: Wenn der Stoffwechsel im Gewebe kippt
Knochen: Zu viel oder zu wenig Hormon ist ein Problem
Schilddrüsenhormone steuern auch den Knochenstoffwechsel.
- Bei Hyperthyreose läuft der Knochenauf- und abbau beschleunigt. Der Abbau überwiegt. Die Folge:
- Mehr Knochenverlust (Osteoporose)
- Höheres Risiko für Knochenbrüche, etwa an Hüfte oder Wirbelsäule
- Bei Hypothyreose ist der Knochenstoffwechsel verlangsamt. Es wird zwar weniger Knochen abgebaut und stärker mineralisiert, aber:
- Die Knochen können steifer und weniger elastisch werden.
- Auch so kann das Bruchrisiko steigen.
Besonders heikel ist ein Hormonmangel im Wachstum: Beim Kind kann eine Hypothyreose zu verzögerter Skelettreifung und Minderwuchs führen.
Die gute Nachricht: Bei guter Einstellung der Schilddrüse können sich viele knöcherne Veränderungen wieder bessern – es braucht nur Zeit.
Nägel: Langsam, brüchig oder zu weich
Auch Nägel reagieren auf Schilddrüsenhormone.
- Unterfunktion: Nägel wachsen oft sehr langsam, werden brüchig, splittern leicht und zeigen manchmal Längs‑ oder Querfurchen.
- Überfunktion: Nägel wachsen zu schnell, sind dadurch dünn und schwach und brechen schneller.
Stimmen die Hormonwerte wieder, erholen sich Nägel meist – wegen des langsamen Wachstums braucht das aber Geduld.
Haare: Haarausfall bei Über‑ und Unterfunktion
Sowohl zu viel als auch zu wenig Schilddrüsenhormon kann zu Haarausfall und Haarbruch führen. Oft spielen mehrere Ursachen zusammen. Deshalb gilt:
- Bei krankhaftem Haarausfall sollte immer auch die Schilddrüse mit untersucht werden.
- Bei guter Behandlung der Schilddrüsenerkrankung können sich die Haare wieder erholen, allerdings über Monate, weil Haare langsam wachsen.
Gehirn und Psyche: Wenn der Takt im Kopf nicht stimmt
Schilddrüsenhormone beeinflussen den Stoffwechsel von Gehirn- und Nervenzellen. Entsprechend weitreichend sind die Folgen.
Überfunktion: Nervensystem im Dauer‑High
Bei Hyperthyreose ist die Hirnaktivität gesteigert. Typisch sind:
- Innere Unruhe und Nervosität
- gesteigerte Erregbarkeit
- das Gefühl, ständig „unter Strom“ zu stehen
- Ein- und Durchschlafstörungen
Viele Betroffene fühlen sich schnell gereizt und haben Mühe, zur Ruhe zu kommen.
Unterfunktion: Gebremste Gedanken und Stimmungstiefs
Bei Hypothyreose werden Prozesse im Gehirn verlangsamt. Die Folgen können sein:
- Aufmerksamkeits‑, Konzentrations- und Gedächtnisprobleme
- verlangsamtes Denken
- Antriebslosigkeit, Stumpfheit, Lethargie
- depressive Verstimmungen bis hin zu ausgeprägten Depressionen
Studien zeigen: Ein großer Teil der Menschen mit Hypothyreose hat kognitive Einschränkungen, bei 40–50 % treten depressive Symptome auf. Vermutlich erhöht eine unbehandelte Unterfunktion auch das Risiko für eine Demenz.
Besonders kritisch ist ein Hormonmangel in der Schwangerschaft und frühen Kindheit: Dann kann die Hirnreifung dauerhaft geschädigt werden.
Schilddrüse in Alltagssymptomen: Müdigkeit, Schlaf, Hören, Schwindel
Viele typische Alltagsbeschwerden können mit der Schilddrüse zusammenhängen.
Dauer‑Müdigkeit und Erschöpfung
Müdigkeit ist eines der häufigsten Symptome einer Hypothyreose. Durch den gebremsten Stoffwechsel:
- fühlt sich der Körper energiearm an,
- werden Betroffene schnell erschöpft,
- treten Mutlosigkeit oder depressive Stimmung auf.
Unter einer gut eingestellten Therapie bessern sich diese Symptome oft innerhalb von 6 bis 8 Wochen deutlich.
Schlafstörungen
- Überfunktion: Betroffene sind überdreht, nervös und haben häufig Ein- und Durchschlafprobleme.
- Unterfunktion: Auch hier wurden in Studien häufiger Schlafstörungen (Insomnie) beschrieben als bei Menschen ohne Hypothyreose.
Bei chronischen Schlafproblemen lohnt sich daher ein Blick auf die Schilddrüsenwerte.
Hörprobleme und Schwindel
Studien deuten darauf hin, dass Menschen mit Hypothyreose:
- häufiger unter Hörminderung leiden,
- häufiger von Schwindel (Vertigo) betroffen sind als Vergleichspersonen.
Besonders in der Schwangerschaft und im ersten Lebensjahr kann ein Hormonmangel das Hörorgan des Kindes schwer schädigen.
„Ständig genervt“ und gereizt
Zu viel Schilddrüsenhormon kann die Reizbarkeit erhöhen. Betroffene:
- fühlen sich schnell überreizt,
- reagieren ungewohnt aggressiv,
- können schlecht entspannen.
Auch hier gilt: Es kann viele Ursachen geben – die Schilddrüse sollte aber immer mitgedacht werden.
Schilddrüse und Diabetes, Cholesterin, Gewicht
Warum Diabetes und Schilddrüse oft zusammen auftreten
Typ‑1‑Diabetes und Autoimmun‑Überfunktion (Morbus Basedow) treten überdurchschnittlich häufig gemeinsam auf. Auch bei Typ‑2‑Diabetes findet man öfter zusätzliche Schilddrüsenprobleme, zum Beispiel eine Autonomie der Schilddrüse.
Wichtig:
- Eine Überfunktion kann den Zuckerstoffwechsel verschlechtern.
- Umgekehrt profitieren beide Erkrankungen von einer guten Einstellung der jeweils anderen.
Darum sollte bei Diabetes immer auch die Schilddrüse geprüft werden – und bei Hyperthyreose der Blutzucker.
Cholesterin und Schilddrüse
Zu hohe Cholesterinwerte können mit einer Hypothyreose zusammenhängen:
- Bei Unterfunktion steigt durch den gebremsten Stoffwechsel der gesamte Cholesterinspiegel, vor allem das LDL.
- Bei Überfunktion können die Cholesterinwerte umgekehrt deutlich sinken.
Bei auffälligen Blutfetten lohnt sich daher ein Blick auf die Schilddrüsenfunktion.
„Dick durch die Schilddrüse?“
Das ist möglich – aber nicht die einzige Ursache. Bei Hypothyreose:
- läuft der Stoffwechsel langsamer,
- sinkt der Kalorienverbrauch,
- viele Betroffene fühlen sich antriebslos und bewegen sich weniger.
Trotz unverändertem Essen kann so eine ungewollte Gewichtszunahme entstehen. Bei ungeklärter Gewichtszunahme sollte die Schilddrüse deshalb immer mit untersucht werden.
Abnehmen mit oder ohne Schilddrüse: Was realistisch ist
Abnehmen mit Schilddrüsenhormonen – warum das keine gute Idee ist
Rein biologisch können Schilddrüsenhormone den Energieverbrauch erhöhen und damit beim Abnehmen helfen. Genau deshalb tauchen sie in illegalen „Fatburner“- oder „Abnehm“-Pillen auf.
Das Problem:
- Eine wirksame Gewichtsreduktion stellt sich erst ein, wenn im Körper praktisch eine künstliche Überfunktion erzeugt wird.
- Diese Überfunktion kann Herz, Gefäße, Knochen und Psyche ernsthaft schädigen.
Fachleute raten deshalb klar davon ab, zum Abnehmen mit Schilddrüsenhormonen zu experimentieren.
Abnehmen ohne Schilddrüse – worauf es ankommt
Wer keine Schilddrüse mehr hat, braucht die Hormone als Tablette. Ist die Dosis zu niedrig, steigt das Risiko für Gewichtszunahme, und geplantes Abnehmen wird sehr schwer.
Entscheidend ist deshalb:
- eine gute Einstellung der Hormontherapie,
- regelmäßige Kontrollen der Blutwerte,
- Vermeidung einer langfristig zu hohen Dosierung, weil sonst Herz und Knochen leiden.
Sind die Werte stabil, gelten für das Abnehmen im Prinzip die gleichen Regeln wie bei Menschen mit gesunder Schilddrüse.

Fazit: Kleine Drüse, große Wirkung
Die Schilddrüse hat Einfluss auf:
- Blutzucker und Diabetes
- Fettstoffwechsel und Cholesterin
- Körpergewicht und Energieverbrauch
- Knochen, Nägel und Haare
- Gehirnleistung, Stimmung und Schlaf
Weil die Hormone so viele Bereiche gleichzeitig steuern, lohnt sich bei vielen unspezifischen Beschwerden ein Blick auf die Schilddrüse.
Gut eingestellte Werte können:
- den Stoffwechsel stabilisieren,
- Beschwerden lindern,
- und andere Erkrankungen wie Diabetes oder Osteoporose positiv beeinflussen.
Quelle
Dieser Artikel basiert auf den Informationen des Deutschen Schilddrüsenzentrums: „Schilddrüse und Stoffwechsel“.
Rechtlicher Hinweis
Wir sind keine Ärztinnen oder Ärzte und stellen keine Diagnosen. Dieser Artikel dient der allgemeinen Information und ersetzt keine ärztliche Untersuchung, Beratung oder Behandlung. Wenn Sie Beschwerden haben, wenden Sie sich bitte an Ihre Hausärztin, Ihren Hausarzt oder eine Fachpraxis.




